Liebe Leserin, lieber Leser! Ein provokanter Titel der scheinbar sehr selbstbezogen ist. Betrachtet man das Thema „Aufmerksamkeit bekommen“ aber etwas näher, so dreht sich im Leben fast alles darum.
Um dies zu erkennen, muss man „Aufmerksamkeit“ in verschiedene Komponenten aufteilen – dies sind vor allem: positive und negative Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit von außen und Aufmerksamkeit, die wir uns selbst geben. Sie merken, es sind jeweils zwei Komponenten, die polar miteinander verbunden sind.
In meinem Kurs zur Persönlichkeitsentwicklung „Wege zur Selbstfindung“ (www.WegeZurSelbstfindung.com) stelle ich folgende Frage:
Es laufen auf diesem Bürgersteig zwei Menschen. Der eine lächelt und geht seines Weges.
Der andere schaut griesgrämig daher, sieht verlottert aus und spuckt auf den Boden. Wer erhält mehr Aufmerksamkeit?
Es ist schnell klar, dass der Mensch, der auf den Boden spuckt, mehr Aufmerksamkeit bekommt. Er verstößt gegen soziale Normen, was in uns Gefühle auslöst. Entweder heißen wir den Verstoß gut oder schlecht, aber er lässt uns selten kalt.
Ich gehe der Einfachheit halber davon aus, dass Sie das Spuken auf den Boden nicht so gut finden. In diesem Fall bekommt dieser Mensch eine negative Aufmerksamkeit.
Häufig erkennt man es auch bei Kindern, dass sie lieber eine negative Aufmerksamkeit bekommen, als keine, wobei sich auch im erwachsenen Alter viele Beispiele finden.
Aufmerksamkeit zu bekommen ist so überlebenswichtig, dass sich folgender Automatismus in uns Menschen ausgebildet hat:
Wenn ich die maximale Aufmerksamkeit mit dem minimalsten Aufwand erreichen möchte, dann wiederhole ich das, womit ich bisher besonders gut Aufmerksamkeit erlangt habe.
Es ist so wichtig, im Kontakt mit anderen Menschen Aufmerksamkeit zu bekommen, weil es Teil unserer Selbstdefinition ist und unseren Stand der oder den anderen Personen gegenüber definiert. Ansonsten ist es wie ein Spiegel, vor dem ein Tuch hängt – wir haben in diesem Fall keine äußere Referenz uns wahrzunehmen. Und es wird noch existentieller: Erlangt ein Baby bei seiner Mutter keine Aufmerksamkeit, stirbt es. Es ist darauf angewiesen, dass die Mutter ihm Nahrung gibt – wenn sie aber auf das Baby nicht aufmerksam wird, wird sie wohl auch nicht daran denken, es zu stillen.
Aufmerksamkeit zu bekommen ist demnach auf der Beziehungsebene anzusiedeln. Im erwachsenen Alter geht es (scheinbar) häufig um die Inhaltsebene, Aufmerksamkeit zu bekommen gehört aber zur Beziehungsebene und ist somit unabhängig von inhaltlichen Themen. Was aber unabhängig von Themen ist, kann sich leicht positiv oder negativ entwickeln. Dies macht meine Aussage von weiter oben so brisant (Wenn ich die maximale Aufmerksamkeit mit dem minimalsten Aufwand erreichen möchte, dann wiederhole ich das, womit ich bisher besonders gut Aufmerksamkeit erlangt habe.), denn wenn wir erst einmal leichter negative als positive Aufmerksamkeit bekommen, dann führt sich diese automatisch fort. Dies ist auch sehr häufig in der Gesellschaft und in den Medien zu erkennen, wo Gespräche über Probleme oder Nachrichten über Kriege und Gräueltaten sich am besten verkaufen.
Ohne, dass wir uns aktiv um positive Aufmerksamkeit bemühen, gibt es keinen Grund, von der negativen Aufmerksamkeit wegzukommen. Trotzdem kennen Sie auch die positive Aufmerksamkeit sehr gut, wenn Sie z.B. einem Ihnen nahestehenden Menschen etwas schenken, er sich sehr darüber freut und sich bei Ihnen bedankt. Sie sehen das Strahlen in seinen Augen, was wie der oben erwähnte Spiegel wirkt. Sie bekommen durch das Bedanken direkt eine positive Aufmerksamkeit, auch (oder vielleicht auch „vor allem“) weil Sie diese durch das Schenken erst gegeben haben.
Es gibt aber auch die Aufmerksamkeit, die wir uns selbst geben. Am besten merken Sie dies, wenn Ihnen etwas weh tut – wie wird man dann auf diese Körperstelle aufmerksam! Durch innere Dialoge über Probleme beschäftigt man sich mit sich mit sich selbst. Die Aufmerksamkeit ist ganz nach innen gerichtet. Diese Vorgehensweise lässt Sie sich spüren, als existent und als „Ich“ wahrnehmen. Über Meditation versuchen viele Menschen, dieses Ich-wahrnehmen zu öffnen, um zu erkennen, dass wir uns das fast alles selbst erschaffen – denn es sind ja nur die Vorgänge die alleine in uns ablaufen. Wenn es aber nur in uns selbst abläuft birgt das eine große Chance in sich: die Chance zur Veränderung.
Allerdings ist es schwer, von problembezogenen inneren Dialogen zu inneren Dialogen zu kommen, mit denen man sich eine positive Aufmerksamkeit schenkt. Bei etwas Positiven entsteht kaum eine innere Diskussion über das Thema, denn es besteht kein Klärungsbedarf. Um so wichtiger ist die Stärkung der Wahrnehmung auf das Positive, um dieses Diskussionsdefizit auszugleichen.
Beide Aufmerksamkeitsarten, die äußere und innere, laufen meist gleichzeitig ab, sind wir doch über unsere Sinne mit unserer Außenwelt verbunden. Auch wird es kaum möglich sein, nur positive Aufmerksamkeit zu bekommen bzw. sich zu geben, da die Mechanismen zur Aufmerksamkeitserlangung viel zu unbewusst ablaufen. Lediglich ein Training zu einer anderen Wahrnehmung kann hier gute Veränderungen bewirken.
Ich habe über eine Affirmation die sowohl die Aufmerksamkeit als auch die Dankbarkeit beinhaltet, wunderbare Ergebnisse erzielt. Sie lautet: Ich bin dankbar für die positive Aufmerksamkeit, die ich auf mich ziehe.
Diese Affirmation habe ich mir über Wochen fünfzig mal am Tag gesagt. Dabei besteht das Lernen aus dem, dass der Inhalt mit der Zeit ins Unterbewusstsein übergeht und integriert wird – und dem sich täglichen Beschäftigen mit der Aussage, die je nach Tag, je nachdem, wie man „drauf ist“, einen ganz anderen Sinn ergibt und in einen anderen Kontext steht.
Auch bei Ihren Finanzen gibt es positive und negative Aufmerksamkeit. So können Sie die Affirmation auch „finanziell“ erweitern: Ich bin dankbar für die positiv-finazielle Aufmerksamkeit, die ich auf mich ziehe, indem ich Geld bekomme.
Versuchen Sie es aus! Es braucht nur ein paar Minuten und gibt Ihnen die Chance auf positive Aufmerksamkeit, so dass auch Sie mit einem guten Gefühl den Titel sagen können „Ich will Aufmerksamkeit“, denn Ihnen geht es um „Ich will positive Aufmerksamkeit“!